Wikileaks recherchiert Afghanistan-Massaker vom Mai 2009
7. April 2010 | 05:00 | Autor: Patrick
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Die Organisation Wikileaks, die erst kürzlich ein umfassendes Video eines Massakers zwischen dem US-Militär und irakischen Zivilisten im Vorort Neu-Baghdad veröffentlichte, befindet sich nun in der Recherche um einen Vorfall in Afghanistan, der im Mai 2009 über 100 Menschen das Leben kostete.
“Politik unzensiert” berichtete bereits über das Massaker zum Zeitpunkt des Hergangs im Mai letzten Jahres:
“In der afghanischen Provinz Farah greiften US-Luftstreitkräfte in der Nacht von Montag auf Dienstag angeblich verschanzte Talibankämpfer an. Fälschlicherweise traf die stundenlange Bombadierung allerdings die Residenzen von Zivilisten. Die Anzahl der Toten ist noch nicht abzusehen. Bereits gezählt wurden 55 identifizierte Opfer und 92 noch namenlose Leichen, was zu einer aktuellen Zahl von 147 Toten schließen lässt. Afghanische Offizielle sprechen von 120 bis 200 Toten, darunter hauptsächlich Frauen und Kinder.”
Ein Video des US-Militärs soll nun von Wikileaks bereits entschlüsselt worden sein, jedoch will man noch umfassende Informationen wie Zeugenaussagen und Expertenanalysen einholen. Um dies als unabhängig geltende Organisation vornehmen zu können, setzt man auf private Spenden, da jene aus der Politik und Wirtschaft nach eigenen Angaben nicht angenommen werden würden. Wer dieses Projekt unterstützen möchte, findet auf der unten verlinkten Homepage entsprechende Möglichkeiten dies zu tun.
Jedenfalls darf man auf den Ausgang der Ermittlungen äußerst gespannt sein. Mit jedem Vorfall, der aufgedeckt wird, schwindet natürlich auch das Vertrauen in aktuelle Aussagen von Tathergängen der US-Militärführung. Auch die Unterstützung durch den - so möchte man doch im eigentlichen Falle annehmen - mächtigsten Mann in Afghanistan scheint zu schwinden. Präsident Karzai erwägt nun nach eigenen Angaben sogar sich den Taliban anzuschließen, wie der Abgeordnete Faruk Marenai zitiert.
“Wenn ihr und die internationale Gemeinschaft mich noch mehr unter Druck setzt, dann, das schwöre ich Euch, werde ich mich den Taliban anschließen. Er sagte, aus dem Aufstand würde dann Widerstand.”
Dem seit Herbst 2001 währenden Kampf der internationalen Gemeinschaft gegen die Taliban als laut NATO-Einschätzung von der Macht vertriebene Widerstandsgruppierung gegen eine sogenannte demokratisch legimitierte Regierung könnte damit der Bruch zum “richtigen Krieg” geben, da dies ein Widerstand gegen die ausländischen Besatzungstruppen durch Präsident Karzai darstellen würde.

