Afghanistan: Deutschland führt Krieg, Niebel fordert mehr Rückhalt
5. April 2010 | 08:13 | Autor: Patrick
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Nun ist es endlich soweit: Bundesverteidigungsminister zu Guttenberg (CDU) nimmt nun erstmals den Terminus des Krieges bezüglich der deutschen Intervention in Afghanistan in den Mund.
Verteidigungsminister Theodor zu Guttenberg zum Krieg in Afghanistan
Laut zu Guttenberg sei der Terminus “Krieg” durchaus passend, jedoch völkerrechtlich nicht verwendbar. Schließlich führt man einen bewaffneten Konflikt nicht gegen ein Land, sondern… Ja, das meine Damen und Herren ist die Frage, die uns der Verteidigungsminister nicht beantwortet. Völkerrechtlich ist an diesem Einsatz mehr als nur die Frage, um die Beschreibung bedenklich. Obgleich die mutmaßlichen Täter der Anschläge des 11. Septembers 2001 arabischer Herkunft waren, sah sich die damalige US-Administration zu dem Schritt gezwungen, sich am Hindukusch selbst zu verteidigen. Ob die Name der Militäroperation - “Operation Enduring Freedom” - auf das Ziel einer dauerhaften Freiheit des afghanischen Volkes oder den zeitlichen Verlauf der Operation [enduring, also andauernd] anspielt, kann nur gemutmaßt werden.
Jedenfalls sei der Einsatz, so zu Guttenberg, “keiner ist, der nicht alleine mit Brunnenbohren und mit Winken zu bewältigen ist, sondern der auch den Gebrauch der Waffe mit beinhalten kann.”
Dies haben erst am Karfreitag drei Bundeswehrsoldaten im Alter zwischen 25 und 35 Jahren auf schmerzhafteste Weise erfahren müssen. Die Bundeswehr teilte am selbigen Tag mit, die Soldaten seien bei einer Patrouille südwestlich von Kunduz von 200 Afghanen mit Handfeuer- und Panzerabwehrwaffen überrascht und stundenlang in Gefechte verwickelt worden. DIe Zahl der im Afghanistan-Konflikt gefallenen deutschen Soldaten beläuft sich nunmehr seit der Invasion im Herbst 2001 auf 39 Tote.
Die Särge der gefallenen Soldaten wurden von Bundesentwicklungsminister Dirk Niebel (FDP) gestern nach Deutschland überführt. Bei dieser Gelegenheit forderte Niebel mehr Rückhalt für die Truppen im eigenen Land. Der Politiker meinte: “Die deutschen Soldaten lassen sich durch noch so heimtückische Gewalt nicht beeinflussen. Mit unseren Alliierten werden wir den Kampf gegen den Terrorismus in Afghanistan für ein friedliches, stabiles und sicheres Land fortsetzen.”
Zum Standpunkt der Soldaten meinte Niebel zur “Bild am Sonntag”: “Sie wünschen sich mehr Verständnis dafür, dass sie sich, manchmal auch präventiv, wehren müssen. Und sie verstehen nicht, wenn sie sich dafür in der deutschen Öffentlichkeit rechtfertigen müssen oder sogar strafrechtlich verfolgt werden.”
Ein stabiler Zustand sieht jedoch anders aus. Noch am gleichen Tag des Todes der drei deutschen Soldaten wurden sechs afghanische Soldaten von deutschen Truppen getötet.
Zwei Fahrzeuge fuhren gegen Abend auf Bundeswehrfahrzeuge zu, nachdem diese um 19:21 Uhr Ortszeit aus dem Feldlager Kunduz aufbrachen, um die seit dem Mittag in Gefechte verwickelten Kollegen abzulösen. Ein Schützenpanzer traf die beiden zivilen Fahrzeuge der afghanischen Armee und tötete sechs Soldaten. Ein Bundeswehrsprecher bedauere den Vorfall zutiefst, wie die dpa am Wochenende meldete.
Noch ein Wort zu den diesjährigen, ebenfalls noch hohen zivilen Opfern: General Stanley McChrystal, der Oberkommandeur der US-Streitkräfte für das Gebiet, sagte laut der “New York Times” in einer Video-Botschaft zu Soldaten:
“Wir haben ein unglaubliche Anzahl unschuldiger Menschen erschossen, von denen keiner sich als Bedrohung erwies.”
Chrystal verschrieb sich letztes Jahr einer neuen Strategie, um Zivilopfer zu senken. Er schildert weiter zur Situation:
Wir verlangen von unseren jungen Leuten die ihren Dienst verrichten sehr viel da draussen bei den Kontrollpunkten. Da es Gefahren gibt, müssen sie schnell bei unübersichtlichen Situationen entscheiden. Aber, so viel ich weiss, in den mehr als neun Monaten in denen ich hier bin, ist nicht ein einziger Fall bekannt, wo wir mit einer eskalierenden Anwendung von Gewalt reagierten und jemanden verletzt haben, hat es sich herausgestellt, dass in einem Fahrzeug Bomben oder Waffen sich befanden, in vielen Fällen waren Familien drin. Damit will ich nicht die Leute kritisieren, die das ausgeführt haben. Ich will euch nur eine Perspektive geben. Wir haben eine unglaubliche Anzahl unschuldiger Menschen erschossen und eine Anzahl getötet, und, so viel ich weiss, keiner hat sich als wirkliche Gefahr für unsere Truppen herausgestellt.
Einer laufenden Umfrage des Online-Magazins “Die Welt” zum Abzug aus Afghanisation stimmten aus bis dato 7.821 Stimmen 79 Prozent für ja, nur 21 Prozent sind dagegen.
Auch wir würden gerne eure Meinung wissen. In der rechten Sidebar findet sich die aktuelle Umfrage zum Thema
Quellen: SF Tagesschau / Die Welt / Alles Schall und Rauch (1) (2) / New York Times


