Schlimmstes Massaker in Afghanistan seit Invasion
8. Mai 2009 | 21:33 | Autor: Patrick
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Während sich die politischen Führer Afghanistans und Pakistans, Hamid Karzai und Asif Ali Zardari, im Weißen Haus zu Gesprächen mit US-Präsident Barack Obama trafen, um eine Eskalation des Krieges in Afghanistan und auch Pakistan zu besprechen, geschieht eben genau dies.
In der afghanischen Provinz Farah greiften US-Luftstreitkräfte in der Nacht von Montag auf Dienstag angeblich verschanzte Talibankämpfer an. Fälschlicherweise traf die stundenlange Bombadierung allerdings die Residenzen von Zivilisten. Die Anzahl der Toten ist noch nicht abzusehen. Bereits gezählt wurden 55 identifizierte Opfer und 92 noch namenlose Leichen, was zu einer aktuellen Zahl von 147 Toten schließen lässt. Afghanische Offizielle sprechen von 120 bis 200 Toten, darunter hauptsächlich Frauen und Kinder.
Wie die New York Times gestern berichtete, rief am Mittwoch der Gouverneur Rohul Amin von Farah an. In einem Gespräch über Lautsprecher erfuhren Mitglieder des afghanischen Parlaments von Politiker Mohammad Naim Farahi, dass 130 Zivilisten getötet wurden. Afghanische Gesetzgeber reagierten unverzüglich und forderten einen Beschluss zur Regelung ausländischer Militäroperationen im Lande.
Der Gouverneur meinte außerdem, berichtete Farahi in der NY Times weiter, dass die Anwohner ihm zwei Traktoranhängerladungen voller Leichen als Beweis der Opfer zum Büro gebracht haben. Jeder im Büro habe auf diesen erschütternden Anblick hin geweint.
Gefolgt wurde dieses Ereignis von einem Protestmarsch in der Hauptstadt der Provinz mit dem gleichen Namen Farah. 2.000 Menschen wünschten den amerikanischen “Besatzern den Tod”. Haji Nangyalai, ein 42-jähriger Protestant, meinte in einem Interview mit der Nachrichtenagentur AFP, dass sie “ihre Wut über die von den amerikanischen Streitkräften verbrochenen Verbrechen zeigen”. Weiter sagte er: “Wir fordern von der afghanischen Regierung, dass sie die amerikanischen Truppen dazu zwingen, aus dem Land zu verschwinden. Sie bringen mehr Zivilisten um als die Taliban.”
Das Pentagon leugnete den Verlauf der Ereignisse von Anfang an und tischte eine Geschichte auf, nachdem Talibankämpfer mit Granatenangriffen die Menschen umbrachten. Der oberste US-Kommandeur in Afghanisation, Gen. David McKiernan, meinte zu den Luftschlägen, dass er “andere Informationen” zur Ursache der Todesopfer habe. Damit bestätigte er das Pentagonmärchen indirekt. EIn Sprecher der Joint Chiefs of Staff (ein Gremium der Befehlshaber der US-Streitkräfte) meinte jedoch: “Wir können den Bericht, dass Taliban diese Menschen exekutierten, nicht bestätigen.”
Die schiere Leugnung fand gestern ein Ende, als ein Offizieller nun zugab, dass zumindest “ein Teil” der Bombadierungen zu den massiven zivilen Opfern auf afghanischer Seite führte.
In den nächsten Monaten will die Obama-Regierung 21.000 neue Soldaten nach Afghanistan ordern und die Truppenstärke der Amerikaner auf über 68.000 Soldaten bis 2010 verdoppeln.
Nicht zu vergessen sind die Zahlen der zivilen Opfer durch die US-geführte NATO-Invasion des Landes. 2008 stieg die Anzahl toter Zivilisten um satte 40 Prozent auf 2.118. Besonders die Luftschläge der US-Kräfte eskalieren desaströs. 552 Afghanen sind durch diese im letzten Jahr gestorben.
Der afghanische Präsident Karzai merkte im Gespräch mit Obama zwar an, dass man die zivilen Opfer senken müsse, jedoch machte dessenSicherheitsberater Jim Jones klar, dass Karzai keine Einstellung oder gar eine Reduzierung der US-Luftschläge erbittete.
Quellen: WSWS / New York Times

