Deutschland: Vom Jäger zum Gejagten?
11. August 2008 | 19:24 | Autor: Heinz
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Einigen deutschen Medien war dieser Tage eine Warnung des BKA zu entnehmen, wonach mit Anschlägen auf deutschem Boden durch sog. islamistische Extremisten zu rechnen sei. (1) (2) Bei der Lektüre des Artikels muss man sich unweigerlich wundern, wie genau das BKA über angebliche Extremisten und ihren Aufenthaltsort informiert ist und muss sich weiters die Frage stellen warum man sie denn gewähren lässt, zumal Deutschland ja nicht unerfahren ist, was Terrorismus im eigenen Land betrifft.

Schon bald ein Ziel islamischer Terroristen?
In der Zeit der RAF wurden sowohl juristisch als auch im Polizeiapparat alle Maßnahmen getroffen um im Falle einer Terrorbedrohung zu handeln. Die Tatsache, dass diese Menschen nicht belangt werden lässt nur wenige Schlüsse zu. Entweder es liegt nichts greifbares, sprich strafrechtlich Relevantes vor (z. B. §129 StGB - Bildung krimineller Vereinigungen, §87 StGB - Agententätigkeit zu Sabotagezwecken etc.) oder aber man lässt sie bewusst gewähren. Ein Schelm wer denkt, dass gezielt versucht wird Angst in der Bevölkerung zu verbreiten um Unterstützung im „Kampf gegen den Terror“ zu gewinnen. Dabei ist der Gedanke, dass lediglich versucht wird Angst zu verbreiten, noch durchaus die harmlosere Variante. Im schlimmsten Fall erlebt Deutschland eine Bestätigung dieser Warnungen, die dann lediglich als vorbereitende Maßnahmen zu sehen sind, um die Glaubwürdigkeit späterer islamistischer Attacken zu bestärken.
Keineswegs soll hier eine Beteiligung des deutschen Staatsapparates an Anschlägen an der eigenen Bevölkerung unterstellt werden. Angesichts der Attacken in New York, Madrid und London, deren Hintergründe mehr als dubios sind, ist jedoch eine gesunde Portion Misstrauen, solchen Terrorwarnungen gegenüber, nicht fehl am Platz. Dieses Misstrauen verstärkt sich weiter, wenn man die Frage nach dem Nutzen stellt. Was würde es islamistischen Organisationen nützen ein Land gegen sich aufzubringen, welches sich bisher nicht (zumindest nicht aktiv) an den Feldzügen westlicher Mächte beteiligt hat? Wieso um alles in der Welt sollte man sich neben großmächtigen Feinden wie den USA noch weitere Wünschen? Anders als beim RAF-Terrorismus, dessen innere Logik darin bestand den Staat dazu aufzustacheln sein „wahres Antlitz“ zu zeigen und die RAF massiv zu bekämpfen, können islamistsiche Terroristen logischerweise kein Interesse daran haben Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Hatte man uns nach den Anschlägen vom 11. September noch erklärt Deutschland sei ein sicheres Hinterland der Täter, in dem Anschläge geplant und vorbereitet werden, ist man nun dazu übergegangen Deutschland als Ziel des Terrors zu sehen. Warum die Islamisten diesen Sinneswandel durchgemacht haben sollen, hat bisher noch niemand versucht zu erklären.
Der Nutzen eines Anschlages in Deutschland läge unbestreibar allein bei jenen Kriegstreibern, die einen Angriff auf den Iran und eine Unterwerfung des gesamten Nahen Ostens herbeisehnen. Die US-Regierung hat nicht vergessen, wie schwierig es war, einige europäische Länder von der Notwendigkeit eines Irakkrieges zu überzeugen. Was läge da näher, als auch ihnen einen Anschlag im eigenen Land zu bescheren, um ihnen zu zeigen, wer die Bösen sind? Dass Kriege im Nahen Osten seitens der deutschen Bundesregierung ohnehin nicht allzu vehement opponiert werden, zeigt die Haltung der heutigen Bundeskanzlerin in der Zeit des Angriffskrieges gegen den Irak. (3) Wie die Situation heute aussähe, wenn jener Krieg in der Bevölkerung nicht derart unpopulär gewesen wäre vermag wohl niemand zu sagen. Ein Terroranschlag auf deutschem Boden verübt von Islamisten würde das Lager der Kriegsgegner aber mit Sicherheit enorm schwächen.
Sollten solche Anschläge tatsächlich durchgeführt werden, werden die Attentäter sicherlich nicht vergessen ihren Koran, ihren iranischen Reisepass oder ähnliche „Beweisstücke“ zu verlieren, um das Volk wissen zu lassen, wohin es seinen Zorn und seinen Wunsch nach Rache richten soll. Schließlich machte der scheinbare Reisepass des mutmaßlichen Verantwortlichen für die Anschläge des 11. Septembers Muhammed Atta den weiten und beschwerlichen Weg durch das Flugzeugwrack und Tausend Grad heißes Kerosin bis auf den Boden, der ebenso noch übersäht war von vielen Trümmern und sicherlich auch einigen Papieren aus einem der größten Bürogebäude der Welt.
Quellen: (1) Spiegel / (2) direktbroker / (3) Süddeutsche


