Rückkehr des Kalten Krieges
11. August 2008 | 14:04 | Autor: Heinz
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Nun ist es wieder so weit. Die Russen sind da. Eine aus dem Kalten Krieg bekannte Phrase erlebt angesichts der momentanen Berichterstattung eine Renaissance. Zwar bemühen sich die westlichen Medien um scheinbare Objektivität, aber ihre Tendenz zu einem “bösen” Russland, welches arme demokratische Länder überfällt, lässt sich kaum leugnen. Schnell ist die Tatsache vergessen, dass Georgien mit dem Einmarsch in Südossetien diesen Konflikt zur Eskalation brachte.
Wie praktisch, dass Russland so nahe an der “Achse des Bösen” liegt und sich dadurch, zumindest geografisch, hervorragend in das gut/böse-Schema einfacher Geister einordnen lässt. Einer eben jener Good-Guys, der nur all zu gerne seinen Finger in die Richtung der vermeintlichen Bad-Guys streckt, rief Russland auch umgehend zur Mäßigung auf. “Das Land ist ein souveräner Staat, dessen territoriale Integrität respektiert werden muss.” (1) , sprach US-Präsident George W. Bush in seinem Glashaus sitzend, mit Steinen um sich werfend. Es grenzt schon an eine Meisterleistung einen Konflikt, den man selbst durch jahrelange Aufrüstung und Ausbildung einer Seite geradezu provoziert und letztlich vermutlich auch vor seinem Beginn gebilligt hat, dem bösen Russland unterzuschieben ohne dabei rot zu werden. Dass Georgien diesen Schritt nicht ohne die Zustimmung der USA gewagt hätte, liegt auf der Hand. Ein Land, militärisch und wirtschaftlich derart abhängig von der westlichen Großmacht, geködert mit dem NATO-Knochen, würde wohl kaum die fütternde Hand so unbedacht beißen und sich damit selbst die Lebensgrundlage entziehen. Schon gar nicht wenn der Gegner ohnehin unbesiegbar übermächtig ist.

Altbekanntes Medienbild: Russische Panzer in Südossetien
Die interessante Frage dabei ist: Was gedenkt man damit zu erreichen? Hatte man in Georgien gehofft Südossetien während der Eröffnungsfeierlichkeiten zur Olympiade klammheimlich unter seine Kontrolle zu bringen und darauf vertraut, dass Russland diesen Konflikt nicht zum erbitterten Krieg eskalieren lassen würde? Oder aber hatte man Georgien von anderer Seite aufgestachelt den Schritt zu wagen, um durch den aufkeimenden Krieg von eigenen Vorhaben abzulenken? Denn abseits der großen westlichen Medienmonopolisten gibt es dieser Tage auch Berichte über massive Truppenbewegungen der USA und einiger seiner Verbündeten (2) in Richtung des persischen Golfes. So soll die USS Theodore Roosevelt gemeinsam mit der USS Ronald Reagan auf dem Weg in den Nahen Osten sein, um sich dort mit den Kampfverbänden der USS Abraham Lincoln sowie der USS Peleliu zu vereinen, wie in der Jerusalem Post und der Kuwait Times zu lesen war. Vielleicht war also Georgien nur ein Bauernopfer, bewusst zur Schlachtbank geführt, um von eigenen Kriegsvorbereitungen auf den Iran abzulenken. Als kleine Wiedergutmachung für sein Opfer belohnt man sich mit der Darstellung Russlands als Aggressor, der die Welt mit unberechenbarer Gewalt überzieht. Dies können selbstverständlich lediglich Vermutungen sein, denn kaum jemand wird die Vorgänge wirklich durchschauen können, die hinter diesem Konflikt die treibende Motivation für die handelnden Akteure darstellen. Klar ist nur, dass es sich um einen Konflikt mit globalen Auswirkungen handelt. Er bestärkt eine, sich ohnehin in Richtung Kalter Krieg bewegende Rhetorik von Neuem und legt sich als weiteres Puzzlestück neben das geplante Raketenabwehrschild in Osteuropa. Wie so oft in solchen Situationen leidet die Zivilbevölkerung unter den Schachzügen von machtbesessenen Phantasten auf beiden Seiten und bezahlt jede gegenseitige Beschuldigung mit ihrem Blut.
Anzumerken ist übrigens, dass ganze Bildergalerien unabhängiger Fotografen auf dem Fotoonlinedienst Flickr gelöscht wurden. Beispielsweise das Titelbild des kürzlich veröffentlichten PU-Artikels über die US-Beteiligung am georgischen Feldzug wurde bereits von Flickr inklusive der kompletten Fotogalerie des Fotografen gelöscht.
Die Wahrheit wird wohl kaum aus den Medien zu erfahren sein, in denen nur berichtet wird wie der Präsident Georgiens Saakaschwili ein Friedensangebot ein ums andere unterbreitet, während die Russen weiter ihren “grausamen ungerechtfertigten Feldzug” weiterführen. Es sei an dieser Stelle gesagt, dass die russischen Gewaltakte keineswegs legitimiert werden sollen, es geht lediglich um die einseitige Darstellung der Medien, die dem Westen schon bei so vielen Überfällen die Stange gehalten haben.
Quellen: (1) Focus / (2) Jerusalem Post


