Spezial: “Rebuilding America’s Defenses” (2000)
29. Juni 2008 | 12:43 | Autor: Patrick
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Das “Project for the New American Century” (kurz PNAC) veröffentlichte im September 2000, wohlgemerkt ein Jahr vor den furchtbaren Angriffen des 11. Septembers 2001, das äußerst interessante Dokument “Rebuilding America’s Defenses” (zu Deutsch: “Neuaufbau der amerikanischen Verteidigung[en]“). Hier werden die kriegerischen Absichten eines Projekts veröffentlicht, die genauso gut ein Blick in die Vergangenheit wie in die Zukunft sind.

Project for the New American Century & William Kristol
Beschäftigen wir uns zu Beginn einmal mit der Organisation “Project for the New American Century”. Wie beim Neuen Testament zum Beispiel schreiben sie das “New” bereits groß, was für die Tragweite der Organsation und derer Pläne bereits spricht. Deren Absichten wurden zu Beginn des neuen Jahrtausends veröffentlicht und von daher passt der Name. PNAC ist eine Initiative des “New Citizenship Projects” und besteht aus den Mitgliedern William Kristol (Vorsitzender des Projekts), Gary Schmitt (ausführender Leiter), Robert Kagan, Devon Gaffney Cross, Bruce P. Jackson und John R. Bolton (alle Leiter).
Besonderes Augenmerk ist jetzt erstmal auf den Vorsitzenden William Kristol zu legen (Wikipedia-Artikel dazu). Dieser wurde am 23.12.1952 in New York geboren und setzte sich seinen komplettes Leben lang stark für Israel ein, was auch auf das Engagement seines Vaters zurückzuführen ist. 1991 sprach er bereits öffentlich seine Meinung zu Saddam Hussein aus. Er will ihn entmachtet sehen und das lieber tot als lebendig - später so geschehen. Saddam fand am 30.12.2006 sein Ende - am Galgen, eine Woche nach dem 54. Geburtstag Kristols. Nach der Wahl von George H. W. Bush zum US-Präsidenten 1988 wurde Kristol Stabschef des Vizepräsidenten Dan Quayle. Nach der Niederlage von Bush wurde er 1992 - wie soll es anders sein - TV-Kommentator bei ABC. Angeheuert hatte ihn übrigens Dorrance Smith, der ehemalige Communications Director von George H. W. Bush. Weiter schreibt Wikipedia:
“1994 wandte er sich an Rupert Murdoch mit dem Ansinnen, sein geplantes konservatives Magazin “The Weekly Standard” zu verlegen. 1998 verlor Kristol seinen Job bei “This Week” von ABC; er ließ sich von anderen TV-Networks beschäftigen und startete eine lukrative Karriere als Redner. Kristol war Vorsitzender des Project for the Republican Future (Anm.: Nicht zu verwechseln mit dem “Project for the New American Century”, um das es hier geht) von 1993 bis 1994, 1993 war er zudem bei der Lynde and Harry Bradley Foundation in Milwaukee tätig, die u.a. konservative Denkfabriken wie das American Enterprise Institute finanziert.”
Denkfabriken arbeiten für Politiker oder Unternehmen, um deren politischen, sozialen und wirtschaftlichen Strategien zu entwickeln und entsprechende öffentliche Debatten zu fördern. Allein eine Suche beim leider kürzlich eingestellte, jedoch äußerst umfangreich archivierten Politblog zeigt die Verbindungen des “American Enterprise Institutes”.
“William Kristol saß in der zweiten Hälfte der 90er Jahre auch zwei Jahre lang in einem Beraterkomitee für den damals in arge Turbulenzen geratenen US-Konzern Enron, das vom damaligen Vorstandsvorsitzenden Kenneth Lay einberufen worden war. Nach Angaben der “Washington Post” erhielt er hierfür ein Salär von 100.000 Dollar.”
Pikante Details: Enron ist ein Energiekonzern mit Sitz in Houston, Texas. Die Firma verursachte aufgrund fortgesetzter Bilanzfälschung einen der größten Unternehmensskandale, welche die US-Wirtschaft bislang erlebte. Wegen ihrer nach dem Skandal vehement dementierten engen Verbindungen zum Enron-Gründer und CEO Kenneth Lay geriet auch die Regierung von George W. Bush in scharfe Kritik.
Kristol arbeitete also von 1995 bis 2000 für einen Energiekonzern in Texas, der illegale Machenschaften zu schaffen hatte und Verbindungen zur Regierung unter George W. Bush hatte. Exakt zeitgleich zur Arbeitszeit von Kristol war der Gouverneur des US-Bundesstaates Texas niemand Geringerer als George W. Bush.
“Kristol ist zusammen mit Robert Kagan auch Mitbegründer und stellvertretender Direktor des Project for the New American Century (PNAC). Schon vorher hatte er maßgeblichen Anteil an der Ausarbeitung und -formulierung der federführend von Paul Wolfowitz verantworteten Bush-Doktrin. In seinem zusammen mit Kagan in der weltweit als führend geltenden Fachzeitschrift “Foreign Affairs” im Juli/August 1996 veröffentlichten Beitrag Toward a Neo-Reaganite Foreign Policy sehen viele die “Blaupause” der aktuellen Politik der Bush-Regierung. 1997 riefen die beiden Autoren das PNAC ins Leben.”
Diese “Bush-Doktrin” trägt den offiziellen Namen “National Security Strategy vom September 2002″. Warum also arbeiten an der außenpolitischen nationalen Sicherheitsstrategie der USA neben dem stellvertretenden Verteidigungsminister Paul Wolfowitz der Chef mehrerer Denkprojekte William Kristol und nicht der Stab des Präsidenten oder gar dieser selbst? Wolfowitz gilt übrigens neben dem aktuellen Vize-Präsidenten Dick Cheney als Drahtzieher des Irakkrieges.
“Am 26. Januar 1998 schrieben Paul Wolfowitz, Richard Perle, Donald Rumsfeld, Richard Armitage und vierzehn weitere Unterzeichner einen Brief an Präsident Bill Clinton, in dem ein gewaltsamer Regimewechsel im Irak und eine offensivere Politik im Nahen Osten gefordert wurde. Dieses Schreiben wurde von dem von William Kristol begründeten Project for the New American Century (PNAC) unterstützt.”
Das sollte dann wohl auch keinen mehr wirklich wundern. Ebenso, dass er nun als Kolumnist bei der New York Times nicht gerade gut auf Irans Präsidenten Ahmadinejad zu sprechen ist. Hier ein kleines Zitat aus seiner Kolumne “Der jüdische Staat mit 60″:
“Ich hatte nicht vor beim Schreiben dieser Kolumne Ahmadinejad zu zitieren. Ich hasse ihn damit zu ehren seine Kommentare überhaupt zu bemerken. Ich wollte den Zionisten Tribut zollen - Männer wie Weizmann und Jabotinsky, Ben-Gurion und Begin - die die fast übernatürliche Erlösung der jüdischen Leute in 1948 ermöglichten. Und ich beabsichtigte die Verteidiger Israels in Krisenmomenten zu erkennen - Männer wie Harry Truman und Richard Nixon und George W. Bush.”
Zionismus wird gemeinhin als Judenbewegung bezeichnet und gibt Israel den Grund weiterhin Palästinenser zu schänden. Menschen, die gegen den klar politisch motivierten Zionismus sind, gelten gleich als Antizionisten oder gar als judenfeindlich. Interessant ist dabei allerdings, dass 1975 in der Resolution 3379 Zionismus von den Vereinten Nationen (UN) als Rassismus bezeichnet wurde. Allerdings wurde diese Resolution 1991 wieder zurückgenommen. Wikipedia zeigt den Zionismus stark aus dem Blickwinkel Israels:
“Der Zionismus ist bis heute eine Zielscheibe und Projektionsfläche für Verschwörungstheorien, dessen populärstes Beispiel die Protokolle der Weisen von Zion sind. Auf diese Protokolle berufen sich noch heute verschiedene islamistische Vereinigungen wie die Hamas. Autoren wie Norman Finkelstein vertreten die Theorie, dass das Schlagwort „Zionismus“ von manchen israelischen Parteien dazu benutzt würde, Israel in einem Dauerkriegszustand zu halten, um damit die eigene Macht zu festigen. Er geht so weit, den heutigen zionistischen Interessensgruppen eine Art Pakt mit den palästinensischen Terrororganisationen zu unterstellen.”
Hmm dazu ein Gegenzitat eines Buches, welches den Zionismus besonders stark behandelt (Zionismus und Faschismus, Amazonpreis: 24,80 €)
““Was glauben Sie, wer es war, der im März 1912 vor Publikum in Berlin sagte, dass „jedes Land nur eine begrenzte Anzahl von Juden aufnehmen könne, wenn es keine „Magenbeschwerden“ haben wolle. Und „Deutschland habe bereits zu viele Juden“?
Nein, es war nicht Adolf Hitler, sondern Chaim Weizmann, der spätere Präsident der Zionistischen Weltorganisation und erste Präsident Israels.”
Nun sollte klar sein, dass der Vorsitzende des “Project for a New American Century” nicht nur eine verdrehte Weltanschauung hat, sondern auch starke Einflüsse auf und von der US-Regierung unter sowohl George Herbert Walker Bush als auch unter dem aktuellen Noch-Präsidenten George Walker Bush. Auf den nächsten Seiten gehen wir dann näher auf das Dokument als solches ein.


