Bushs Abschied geprägt von Missgunst und Drohungen

11. Juni 2008 | 20:26 | Autor: Patrick Diesen Artikel drucken Diesen Artikel drucken
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Wie durch die Medien bekannt sein sollte ist der scheidende US-Präsident George W. Bush zurzeit auf seiner “Europatournee” unterwegs, die ihn kürzlich nach Meseberg bei Berlin führte und morgen nach Rom bringen wird. Bzw. das nicht wirklich zum neuen Klimaaktivismus des US-Präsidenten passende Duo aus “Marine One”-Helikopter und “Air Force One”-Jet. Auf dieser Reise gestand Bush nicht nur wenige, eigene Fehler ein - er meint er hätte einen sanfteren Ton anschlagen können (Süddeutsche dazu)-, sondern kündigt auch an im Nahen Osten einen Palästinensischen Staat zur errichten. Das bedeutet er möchte in einem halben Jahr erreichen, wofür sich andere schon seit Jahrzehnten herzhaft einsetzen. Seine wahlkampffördernden israelischen AIPAC-Freunde benötigt er eben nun nicht mehr.

Gut kam Mr. Bush in Deutschland nicht an. Das löst wohl kaum Verwunderung aus. Wo man sich umhörte - ob in Meseberg, Berlin oder München - überall besteht eine starke Meinungsklarheit über Bush: Die Deutschen sind froh, dass Bush weg ist. Besonders die offensichtliche Ausrichtung Bushs auf den Krieg scheint hierbei der Grund zu sein, nicht etwa diverse Hauptverantwortlichkeiten für die Tötung von Millionen von Menschen in Irak, Afghanistan und New York.

Die Hauptaussage Bushs seiner Reise ist ganz klar die Verbreitung von Missgunst über den Iran und Drohungen an dessen Präsidenten Mahmud Ahmadinejad. Erstmals ist diese nun auch militärischer Natur.

“Wir halten uns alle Optionen offen. Die erste Möglichkeit ist es (Anm.: das Problem) diplomatisch zu lösen und das ist genau, was wir im Moment machen. Die Nachricht an die iranische Regierung ist sehr deutlich.”

Kanzlerin Angela Merkel gab dem Amerikaner Rückendeckung.

“Das Angebot an den Iran wurde weitergegeben. [...] Wenn der Iran seinen Verpflichtungen nicht nachkommt, dann werden weitere Sanktionen folgen müssen. Wir sagten nochmals, dass wir Diplomatie eine Chance geben wollen, aber wir müssen ebenso weiterhin auf diesem speziellen Problem beharren.”

Wem Sanktionen nichts sagen, der sollte sich einmal aktuell die Lage im Irak ansehen. Dort werden “Sanktionen” auch auf Lebensmittel und Arznei verhängt, also ist es äußerst schwierig bis unmöglich für die Bürger des Landes an diese esenziellen Mittel zu kommen. Ahmadinejad sieht das gewohnt anders und nahm in einer öffentlichen Rede zu Bushs Vorwürfen ein weiteres Mal in der iranischen Stadt Shahr-e-Kord Stellung:

“[Seine] Zeit ist zuende. Dieser böse Mann begehrt das iranischen Land zu schädigen. [Bush] schmiedete Pläne, marschierte in Afghanistan und dann im Iran ein und kündigte an, Iran wäre das dritte Ziel.

Ich sage ihm, dass seine Ära ein Ende findet. Mit der Gunst Gottes wirst du (Anm.: an Bush gerichtet) nicht in der Lage dazu sein auch nur einem Zentimeter des heiligen Landes Iran zu schaden.

Wenn der Feind denkt, sie können die iranische Nation mit Druck brechen, liegen sie falsch. Mit Gottes Hilfe haben wir Siege erreicht und die Feinde können [dagegen] verdammt nichts machen.”

Es bleibt spannend, wie Bush sich in Rom beim morgigen Papstbesuch verhalten wird. Schließlich meinte Papst Benedikt XVI. schon früher, dass eine friedliche Lösung anzustreben ist. Die Tour de Europe geht weiter.

Kategorien: Ahmadinejad, Bush, Energiepolitik, Iran, US-Außenpolitik, US-Politik
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